Was ist Morbus Wilson?
Morbus Wilson ist eine seltene, behandelbare Erbkrankheit, bei der der Körper überschüssiges Kupfer nicht ausscheiden kann. Ohne Behandlung lagert sich Kupfer — vor allem in Leber und Gehirn — ab und verursacht über Jahre hinweg Schäden.
Morbus Wilson ist eine seltene Erbkrankheit, bei der der normale Weg des Körpers zur Ausscheidung von überschüssigem Kupfer nicht richtig funktioniert.1 Kupfer ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das wir täglich in kleinen Mengen mit der Nahrung aufnehmen. Bei einem gesunden Menschen verpackt die Leber überschüssiges Kupfer in die Galle und scheidet es aus. Bei Menschen mit Morbus Wilson ist dieser Ausscheidungsweg gestört, und Kupfer reichert sich langsam an — zunächst in der Leber und im Laufe der Zeit im Gehirn, in den Augen, den Nieren und anderen Organen.2
Die Krankheit wird durch Mutationen in einem Gen namens ATP7B verursacht, das für ein kupfertransportierendes Protein in der Membran von Leberzellen und anderen Zellen kodiert. Mehr als 900 krankheitsverursachende Varianten im ATP7B-Gen sind beschrieben worden.3 Morbus Wilson ist autosomal-rezessiv: Eine Person erkrankt nur dann, wenn sie von jedem Elternteil eine mutierte Kopie erbt.1 Träger — Menschen mit einer mutierten und einer normalen Kopie — sind gesund und benötigen keine Behandlung.
Die klassische Zahl für die Häufigkeit von Morbus Wilson beträgt etwa 1 von 30.000 Menschen weltweit.2 Allerdings fand eine genetische Studie der britischen Bevölkerung aus dem Jahr 2013 pathogene ATP7B-Varianten in einer deutlich höheren Häufigkeit als erwartet und deutete darauf hin, dass die tatsächliche Prävalenz näher bei 1 von 7.000 liegen könnte — was bedeutet, dass viele Fälle wahrscheinlich übersehen werden, weil die Diagnose nie in Betracht gezogen wird.4 Die Häufigkeit variiert je nach Region und ist in Bevölkerungsgruppen mit häufiger Konsanguinität höher, zum Beispiel in Teilen Sardiniens.5
Das Wichtigste, was man über Morbus Wilson wissen muss: Die Krankheit ist behandelbar. Mit früher Diagnose und konsequenter lebenslanger Therapie — Chelatbildner, die Kupfer aus dem Körper ziehen, oder Zink, das die neue Kupferaufnahme blockiert — leben die meisten Betroffenen eine normale Lebensspanne, und frühe Leberschäden können oft rückgängig gemacht oder stabilisiert werden.12
Da die Krankheit selten und ihre Symptome sehr vielfältig sind — betroffen sein können Leber, Nervensystem, Psyche, Blutbild und Reproduktionsorgane — wird sie oft jahrelang falsch diagnostiziert, bevor die richtigen Tests angeordnet werden. Das mittlere Alter bei Diagnose liegt im späten Jugendalter bis in die frühen Zwanziger, aber Morbus Wilson wurde bei Kindern ab drei Jahren und bei Erwachsenen bis in die Siebziger diagnostiziert.6 Wenn du oder ein Familienmitglied ungeklärte Leberprobleme oder ungeklärte Bewegungs- und Stimmungsprobleme vor dem 40. Lebensjahr habt, frag einen Arzt ausdrücklich nach Morbus Wilson.1
Literatur
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Schilsky, Michael L., Eve A. Roberts, Jeff M. Bronstein, Anil Dhawan, Carla A. Friedman, Anna L. Czlonkowska, Aftab Ala, et al. “A Multidisciplinary Approach to the Diagnosis and Management of Wilson Disease: 2022 Practice Guidance on Wilson Disease from the American Association for the Study of Liver Diseases.” Hepatology 77, no. 4 (2023): 1428–1455. https://doi.org/10.1002/hep.32801. ↩↩↩↩
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Członkowska, Anna, Tomasz Litwin, Petr Dusek, Peter Ferenci, Svetlana Lutsenko, Valentina Medici, Janusz K. Rybakowski, Karl Heinz Weiss, and Michael L. Schilsky. “Wilson Disease.” Nature Reviews Disease Primers 4, no. 1 (2018): 21. https://doi.org/10.1038/s41572-018-0024-5. ↩↩↩
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European Association for the Study of the Liver. “EASL Clinical Practice Guidelines: Wilson’s Disease.” Journal of Hepatology 56, no. 3 (2012): 671–685. https://doi.org/10.1016/j.jhep.2011.11.007. ↩
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Coffey, Alison J., Miranda Durkie, Stephen Hague, Karen McLay, Jonathon Emmerson, Catherine Lo, Sara Klaffke, et al. “A Genetic Study of Wilson’s Disease in the United Kingdom.” Brain 136, no. 5 (2013): 1476–1487. https://doi.org/10.1093/brain/awt035. ↩
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Gialluisi, Alessandro, Marina Incollu, Caterina Pippucci, Annalisa Lepori, Federica Zoledziewska, Maristella Steri, Francesco Cucca, and Giovanni Romeo. “The Homozygosity Index (HI) Approach Reveals High Allele Frequency for Wilson Disease in the Sardinian Population.” European Journal of Human Genetics 21, no. 11 (2013): 1308–1311. https://doi.org/10.1038/ejhg.2013.43. ↩
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Alkhouri, Naim, Regino P. Gonzalez-Peralta, and Valentina Medici. “Wilson Disease: A Summary of the Updated AASLD Practice Guidance.” Hepatology Communications 7, no. 6 (2023): e0150. https://doi.org/10.1097/HC9.0000000000000150. ↩
Dies ist Patientenaufklärung, keine medizinische Beratung. Besprich Entscheidungen zu deiner Behandlung immer mit deinem eigenen medizinischen Team.